In der aktuellen Berufswelt stehen viele Menschen vor der Herausforderung, ihre berufliche Zufriedenheit steigern zu wollen, ohne gleich den Job zu wechseln. Genau hier setzt das Konzept des Jobcraftings an. Doch was genau bedeutet Jobcrafting, und wie können Sie es nutzen, um Ihre aktuelle Stelle erfüllender zu gestalten?

Was ist Jobcrafting?

Jobcrafting beschreibt den proaktiven Prozess, die eigene Arbeit so zu gestalten, dass sie besser zu den eigenen Stärken, Interessen und Bedürfnissen passt. Anstatt auf externe Veränderungen zu warten, nehmen Mitarbeitende selbst die Initiative in die Hand, um ihren Arbeitsalltag anzupassen und so mehr Freude, Motivation und Erfolg in ihrer aktuellen Position zu finden. Im Deutschen lässt sich Job Crafting mit „aktiver Arbeitsplatzgestaltung“ übersetzen. Der Begriff wurde um die Jahrtausendwende von den beiden Organisationsforscherinnen Amy Wrzesniewski und Jane E. Dutton von der Yale University geprägt (vgl. Wikipedia)

Die angestrebte aktive Arbeitsplatzgestaltung geht natürlich nicht ohne Rücksprache mit der Führungskraft. Wenn diese jedoch einen coachenden und entwicklungsorieniterten Führungsstil hat, wird sie ihre Mitarbeitenden bei solch einem Vorhaben gerne unterstützen.

Klappt das Jobcrafting, dann hat dies auf das gesamte Team und die Unternehmensergebnisse sehr positive Auswirkungen. In einer Metaanalyse im Jahr 2017 wies Rudolph nach, dass durch Job Crafting die Arbeitszufriedenheit, Arbeitsleistung und das Arbeitsengangement gesteigert wird, während der Stress reduziert wird (vgl. Wikipedia) .

Frau macht jobcrafting durch Task crafting

Welche fünf Ansatzpunkte gibt es für erfolgreiches Jobcrafting?

Wo gibt es Ansatzpunkte, die Sie z.B. im Mitarbeitergespräch mit der Führungskraft auf den Tisch bringen können, um mehr Erfüllung, Erfolg und Zufriedenheit im Beruf zu finden? Gerne stelle ich Ihnen hier fünf Möglichkeiten vor:

1. Jobcrafting durch Anpassung der Aufgaben

Überlegen Sie, welche Aufgaben Sie besonders motivieren und wo Ihre Stärken liegen. Gibt es Tätigkeiten, die Sie häufiger übernehmen möchten oder die Sie besser an Ihre Fähigkeiten anpassen können? Ich kenne einen Fall, in welchem im Team die Aufgaben so getauscht wurden, dass jede und jeder mehr von dem machte, was er oder sie gut kann und einem Spaß macht.

Vielleicht können Sie monotone oder wenig erfüllende Aufgaben effizienter gestalten oder umverteilen. Ein Effizienzgewinn ist z.B. das Erlernen des zehn-Finger-Schreibsystems an der Tastatur, wenn Sie täglich viel am PC schreiben. Dies können Sie sich innerhalb kürzester Zeit mit einem Selbstlernprogramm beibringen.

Jobcrafting durch task crafting - aufgaben werden neu sortiert

2. Jobcrafting durch Verbesserung der Arbeitsbeziehungen zu Kollegen 

Die Zusammenarbeit mit Kolleg*innen beeinflusst maßgeblich die Arbeitszufriedenheit. Ein gutes Team ist einer der ausschlaggebenden Gründe, um einen evtl. nicht so spannenden Job weiterhin zu behalten. Doch wie finden Sie ein gutes Team bzw. bauen sich eines auf, wenn Sie neu irgendwo anfangen?

Anfangs dürfen Sie dazu bewusst Netzwerken und neue Kontakte Schritt-für-Schritt aufbauen. Dazu können Sie zunächst einmal mit allen Kolleg*innen reihum Mittagessen gehen, um wertvolle Beziehungen aufzubauen. Etwas Small-Talk und ernstgemeintes Interesse an der anderen Person und ihren Aufgaben hilft Ihnen, in einen guten Kontakt zu kommen. Wenn Sie dies mit allen neuen Teamkolleg*innen machen, haben Sie eine gute Basis für die weiter Zusammenarbeit gelegt.

    jobcrafting durch bessere Beziehungen

    3. Jobcrafting durch Änderung der inneren Einstellung 

    Verändern Sie Ihre Perspektive auf Ihre Arbeit. Indem Sie den Sinn hinter Ihren Aufgaben erkennen und sich bewusst machen, welchen Mehrwert Sie für Ihr Unternehmen oder Ihre Kund*innen schaffen, kann sich Ihre Einstellung zur Arbeit nachhaltig verbessern.

    Hier fällt mir die Geschichte „Die drei Steinmetze“, die dies sehr schön veranschaulicht:

    Ein Wanderer kommt an eine Baustelle und sieht drei Männer, die mit Hammer und Meißel an großen Steinen arbeiten. Er fragt den ersten:

    „Was tun Sie hier?“

    Der erste Mann antwortet mürrisch: „Ich haue Steine.“

    Dann fragt er den zweiten:

    „Und Sie, was tun Sie hier?“

    Der zweite Mann schaut kurz auf und sagt: „Ich verdiene meinen Lebensunterhalt.“

    Schließlich fragt er den dritten Mann:

    „Und was tun Sie?“

    Dieser strahlt und antwortet voller Begeisterung: „Ich baue eine Kathedrale!“

    Alle drei Männer haben die gleiche Aufgabe, aber ihre Perspektiven sind völlig unterschiedlich:

    1. Der erste Mann sieht seine Arbeit als reine, mühsame Pflichterfüllung ohne weiteren Sinn.
    2. Der zweite Mann betrachtet sie als Mittel zum Zweck – für ihn ist sie lediglich eine Möglichkeit, Geld zu verdienen.
    3. Der dritte Mann hat eine inspirierende Vision und sieht den höheren Zweck hinter seiner Arbeit.

    Diese Geschichte zeigt, wie wichtig die eigene Einstellung zur Arbeit ist. Wer einen tieferen Sinn in seiner Tätigkeit sieht, arbeitet mit mehr Motivation und Zufriedenheit.

    jobcrafting durch cognitive crafting

    4. Jobcrafting durch Anpassung der Arbeitsbedingungen

    Manchmal lassen sich Arbeitszeiten, Arbeitsorte, Gehälter oder Prozesse flexibler gestalten. Prüfen Sie, ob es Möglichkeiten gibt, Homeoffice, Gleitzeit oder effizientere Workflows in Ihren Arbeitsalltag zu integrieren.

    In einem Teamworkshop, der von der Führungskraft initiiert werden sollte, können über Ziele im Team, Prozesse und Aufgabenverteilungen gesprochen werden. Dazu gilt es zunächst, sich einen Überblick über alle Prozesse und Aufgaben zu verschaffen. Im nächsten Schritt kann dann überlegt werden, wer an dem Prozess beteiligt sein möchte und welche Spielregeln dabei gelten sollen. Wenn dies stärkenorientiert geschieht, sollten bei allen die Arbeitszufriedenheit und -motivation automatisch steigen. Sind alle im Team im guten Kontakt miteinander, können die Teaminteraktionen auf diese Weise neu- oder umgestaltet werden, sodass für alle ein motivierenderes Arbeitsumfeld geschaffen wird.

    Eine Studie des Business Insider legt nahe, dass Mitarbeiter am produktivsten sind, wenn sie etwa zwei Tage pro Woche von zu Hause arbeiten. Dieses Maß an „mittlerer“ Remote-Arbeit scheint ideal zu sein, bei dem die Mitarbeiter größere Zufriedenheit und geringere Isolation berichten, ohne Nachteile bei der Leistungsbewertung im Vergleich zu Kollegen zu erfahren, die mehr oder weniger Tage im Büro arbeiten.

    Ähnlich berichtet deskbird, dass ein Verhältnis von 50% Homeoffice und 50% Büroarbeit als optimal für hybride Teams angesehen wird. Dieses Gleichgewicht ermöglicht es Mitarbeitern, die Vorteile beider Arbeitsumgebungen zu nutzen und gleichzeitig potenzielle Nachteile zu minimieren.

    Es ist wichtig zu beachten, dass die ideale Aufteilung zwischen Homeoffice und Büroarbeit von individuellen Präferenzen, der Art der Tätigkeit und den spezifischen Anforderungen des Unternehmens abhängt. Ein flexibles Arbeitsmodell, das sowohl die Bedürfnisse der Mitarbeiter als auch die Unternehmensziele berücksichtigt, scheint daher am vorteilhaftesten zu sein. Idealerweise wird dieses flexible Modell in jedem Team individuell erarbeitet und umgesetzt.

      jobcrafting durch Änderung der Arbeitsbedingungen

      5. (Weiter-)Entwicklungsorientiertes Jobcrafting

      Berufliche Weiterentwicklung steigert nicht nur Ihre Qualifikationen, sondern auch Ihre Motivation. Nutzen Sie Fortbildungen, Mentoring oder neue Projekte, um sich weiterzuentwickeln und langfristig mehr Freude an Ihrer Arbeit zu haben.

      Hier ist es wichtig, sich selbst zunächst darüber Klarheit zu verschaffen, in welche Richtung Sie sich weiterentwickeln möchten. Klassisch gibt es in größeren Unternehmen, die Möglichkeit, sich fachbezogenen hin zu einer Referentenposition zu entwickeln. Alternativ gibt es die Führungs- oder Projektleitungsfunktion, die Sie anstreben können. Was sind Sie für ein Typ? Wo sehen Sie sich?

      Wenn Sie darüber Klarheit gewonnen haben, in welche Richtung Sie sich entwickeln möchten, können Sie dann überlegen, wie Sie dort hinkommen. Welche Qualifikation oder Fortbildung benötigen Sie dafür?

      Benötigen Sie eventuell noch ein Studium dafür, um intern aufzusteigen? All diese Fragen können Sie mit der Personalabteilung oder Ihrer Führungskraft klären, um für sich die richtige Weiterentwicklung zu finden. Durch dieses neue Ziel, können Sie langfristig mehr Erfüllung, Erfolg und Zufriedenheit gewinnen. Insbesondere gilt dies für Sie, wenn Sie derzeit stagnieren und teilweise schon gelangweilt sind bei Ihrer derzeitigen Tätigkeit.

      entwicklungsorientiertes Jobcrafting

      Positive Auswirkungen von Jobcrafting

      Aktuelle Studien zum Thema Jobcrafting zeigen, dass die aktive Gestaltung der eigenen Arbeitsrolle positive Auswirkungen auf Gesundheit, Arbeitszufriedenheit und Leistung hat. Hier sind einige zusammengefasste Erkenntnisse:

      Förderung von Jobcrafting durch Führungskräfte: Untersuchungen belegen, dass Jobcrafting häufig ohne gezielte Förderung durch Unternehmen stattfindet. Allerdings kann die bewusste Unterstützung durch Führungskräfte das Arbeitsengagement, die Zufriedenheit und die Leistung der Mitarbeitenden steigern. Es wird empfohlen, Mitarbeitende aktiv zu ermutigen, ihre Aufgaben und Rollen entsprechend ihren Stärken und Interessen anzupassen (vgl. Wirtschaftspsychologie Aktuell)

      Jobcrafting und Gesundheit in der digitalen Arbeitswelt: Eine Studie der Barmer Krankenkasse und der Universität St. Gallen mit rund 8.000 Beschäftigten zeigt, dass die aktive Gestaltung der eigenen Arbeit, insbesondere durch den Einsatz persönlicher Stärken, das Gesundheitsempfinden und die Leistungsfähigkeit erhöht. Mobil arbeitende Beschäftigte nutzen häufiger Strategien des Jobcraftings, insbesondere im Bereich der technologischen Anpassung, was auf die Bedeutung digitaler Kompetenzen hinweist (vgl. Haufe).

      Langzeitstudie zu den Effekten von Jobcrafting: Ein Forscherteam der Universität Eindhoven führte eine Langzeitstudie mit Kontrollgruppe durch und stellte fest, dass Jobcrafting zu einer erhöhten Arbeitsleistung, einer höheren Zufriedenheit mit der eigenen Karriere und einer verbesserten Gesundheit führt. Die Studie unterstreicht die Bedeutung von Jobcrafting für die langfristige berufliche Entwicklung und das Wohlbefinden der Mitarbeitenden. (vgl. impulse).

      Zusammenfassung

      Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Jobcrafting zahlreiche Möglichkeiten bietet, die eigene Arbeit aktiv und individuell zu gestalten – idealerweise mit Unterstützung der eigenen Führungskraft. Durch gezielte Anpassungen der Aufgaben, Arbeitsbeziehungen, Denkmuster, Arbeitsstrukturen und Entwicklungsperspektiven lässt sich die berufliche Zufriedenheit erheblich steigern – ohne gleich den Job wechseln zu müssen.

      Probieren Sie es aus und gestalten Sie Ihre Arbeit mehr nach Ihren Vorstellungen! Wenn Sie einen ersten Impuls dazu suchen, nutzen Sie meinen exklusiven und unverbindlichen Karriere-Check dazu! Darin erarbeiten wir gemeinsam die Punkte, die es zu ändern gilt, damit Sie erfolgreicher und zufriedenerer in Ihrem Beruf sind.

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